In dubio pro bello

Dass der Appell verschiedenster Abgeordneter, jetzt doch bitte nicht die Flüchtlingskrise mit den Terroranschlägen zu vermischen, nicht viel mehr als ein frommer Wunsch bleiben würde, war mir zwar klar – aber dass es so schlimm werden würde, hätte nicht einmal ich gedacht. Dabei muss doch selbst dem einfältigsten Geist, für den alles nichtdeutsche eine diffuse bedrohliche Masse ist, klar sein, dass wir ganz andere Probleme haben als ein paar Millionen Flüchtlinge, die einfach nur ein bisschen Stabilität und Sicherheit suchen.

Genauer gesagt: ein ganz anderes Problem. Und dieses Problem heißt IS, Islamischer Staat. Und ganz ehrlich – ich kann nicht im Mindesten verstehen, warum der Westen mit diesem Gebilde noch immer so zögerlich umgeht. Der Westen war in der Lage, blitzkriegartig durch den Irak (einen souveränen Staat mit einer zumindest annähernd demokratisch gewählten Regierung) zu poltern wie der Elefant durch den Porzellanladen – aber beim IS wird sich geziert.

Wir reden hier nicht von ein paar Menschenrechtsverletzungen – diese Strukturen errichten gerade eine religiös-faschistische Diktatur, die so ziemlich das Blutrünstigste ist, das wir in den vergangenen 50 bis 60 Jahren erlebt haben. Und alles, was der Westen tut, ist, ein paar Luftangriffe pro Woche zu fliegen; hier mal pieksen, dort mal stochern, kurz: militärische Akupunktur. Und ansonsten lässt man die munter gewähren.

War von dem ganzen Gerede über universelle Menschenrechte in den vergangenen 15 Jahren auch nur ein einziges Wort ernst gemeint? Mir kann doch keiner erzählen, dass die Staatengemeinschaft, wenn sie denn wirklich wollte, den IS mit vereinten Kräften und Unterstützung durch die kurdischen Einheiten, die schon jetzt ihren Arsch für den Schutz der Leute da unten riskieren, nicht innerhalb weniger Monate von der Landkarte putzen könnte!

Mir ist natürlich klar, warum man sich vor dem Einsatz von Bodentruppen so lange drücken möchte, wie das nur irgendwie möglich ist – weil der Einsatz von Bodentruppen natürlich zwangsläufig Tote bedeuten wird. Und zwar viele Tote. Aber was ist denn die Alternative? Glaubt irgendwer ernsthaft, der IS gäbe sich mit einem hübsch eingegrenzten, anerkannten Staatsgebiet zufrieden, in dem er Kalifat spielen darf?

Das Gegenteil ist der Fall: Wenn man den IS immer mehr erstarken, sich immer mehr festsetzen und etablieren lässt, dann wird man sich Probleme einhandeln, an die man heute nicht einmal zu denken wagt. Die Anschläge von Paris sind jedenfalls nur die Spitze des Eisbergs und nichts im Vergleich zu dem, was uns noch drohen könnte, wenn wir dem IS nicht ein für allemal Einhalt gebieten.

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